| Malediven September 1998
Insel: Kuredu - Lhaviyani Atoll
Tauchbasis: Prodivers - PADI 5-star IDC
Veranstalter: Stop Over Reisen
Nach mehrstündigem Flug von Frankfurt mit Zwischenlandung in Dubai
erreicht man
die winzige Flughafeninsel "Hulule", Landeplatz der Malediven. Von
dort aus checkt
man ein entweder auf die Transferboote zu "seiner" Insel oder wird
von den bereits
wartenden Reiseleitern zum Flughafenshuttle begleitet. In unserem Fall
hieß das Ziel
Kuredu. Zu erreichen per Boot (ca. 8 Stunden Fahrt) oder mit dem etwas
teurerem
Maledivian Air Taxi. Es empfiehlt sich übrigens unbedingt diesen
Flug zu buchen,
da die Fahrt mit dem Schiff Erzählungen anderer Mitreisenden nach,
ausgesprochen
strapaziös ist. Die Mehrzahl der Reisenden entschied sich dann
vor Ort, doch noch
für den Rückweg das Air Taxi zu buchen, allerdings ist der
Preis für eine Strecke
genauso hoch wie für Hin- und Rückflug.
Angekommen auf Kuredu stellt sich quasi automatisch das typische Malediven-Feeling
ein,
nicht zuletzt auch wegen der sehr herzlichen Begrüssung durch
Personal und Animatuere.
Apropos Animateurer: Keine Angst für Kuredu-Reisende! "Volleyball"-schreiende
Abiturienten,
die halbstündig mit übergewichtigen Damen im Pool gymnastische
Übungen vollführen werdet ihr
nicht finden. Ganz im Gegenteil. Ian, der damals tätige Chefanimateur
bringt durch
seine charmant-unaufdringliche Art auch fast jeden dazu, sich abends
nochmal an die
Bar zu setzen, beim Krabbenrennen oder dem Kabaret (wir haben uns fast
totgelacht -
Broadway reif) zuzuschauen oder zu den neuesten Hits unter Palmen zu
tanzen. Wie gesagt,
unaufdringlich, und niveauvoll gemacht "trotz" all-inclusive Gästen.
Die Insel selbst ist mit 1,3 km Länge und 300m Durchmesser beinahe
riesig für male-
divische Verhältnisse. Die Bungalows befinden sich aufgereiht
auf beiden Seiten der
Insel sowohl auf der Atollseite wie auch der Aussenriffseite. Trotz
der ca. 500 Gäste
hat man nie den Eindruck, dass die Insel richtig voll oder überlaufen
ist. Auch bei
den Mahlzeiten in den zwei grossen Restaurants wird man prompt und
freundlich bedient,
zu Verzögerungen kam es nie. Wenn man ein bisschen von seinem
Touristenross herunter-
steigt, kommt man schnell mit den Einheimischen ins Gespräch und
der nette Koch beim
Frühstück grüsst auf einmal mit Namen. Kuredu hat übrigens
auch unter anderem als eine
wenige Insel ein Tee-Restaurant in dem sich auch Einheimische aufhalten
"dürfen".
Zum Tauchen: Die Tauchbasis Prodivers befindet sich unter schwedischer
Leitung. Tätig
sind je nach Saison zwischen 6 und 10 Tauchlehrer sowie 2 bis 3 Divemaster.
Ausge-
fahren wird bis zu 5 mal am Tag mit 5 Booten. An der perfekten Organisation
könnte
sich manche Tauchschule in Deutschland ein Scheibchen abschneiden.
Im voraus schreibt
man sich in eine Liste an der Tauchbasis für die Tauchgänge
am nächsten Tag ein und
abends erfährt man auf Computerausdrucken am schwarzen Brett,
welchem Tauchguide und
Boot man mit welchen Personen zugeteilt wurde. Extrawünsche und
Gruppen werden
selbstverständlich berücksichtigt. Durch die excellente Planung
haben wir auf
unseren 26 Tauchgängen auch wirklich jedesmal einen anderen der
übrigens 41 Tauchspots
im Lhaviyani Atoll gesehen.
Angefahren werden angefangen von kleinerern Giris über Thilas auch
die wahren Top-Spots
am Aussenriff sowie legendäre Channels mit irrwitziger Strömung
wo dann durchaus auch
mal "was Grosses" - thanks Eddie! - vorbeikommen kann.
Schön fanden wir, dass wirklich jeder Taucher, egal welche Interessen
er hat, auf seine
Kosten kommt. Kimmo Hagman stellt wöchentlich ein Photo-Boot zusammen
wo Fotografen
endlich mal auf ihre Kosten kommen und der Buddy nicht immer das Nachsehen
hat.
Entwickelt werden können die Filem übrigens gleich vor Ort.
Sowohl E6-Entwicklung als
auch Printabzüge werden noch am selben Tag erledigt. Die Basis
hat auch einen Schneide-
tisch für Videos. Ausleihmöglichkeit von Kameras und UW-Video
besteht ebenfalls.
An Ausrüstung kann alles ausgeliehen werden wobei einige Leihautomaten
wirklich mal
ausgetauscht werden sollten. Revisionen für Mares-Automaten werden
an Ort und Stelle
durchgeführt. Leider nur Mares wie wir leidvoll erfahren mussten,
nachdem eine
erste Stufe nach 13 (!) Tauchgängen den Geist bzw. den Druck aufgab.
Das Equipment befindet sich ansonsten in einwandfreiem Zustand was
nicht zuletzt auch
der gewissenhaften Pflege der Boys (Babul und Malik) aus Bangladesh
zu verdanken
ist, die ständig kehren, putzen, den Trolley mit der Ausrüstung
ziehen oder bis spät in
die Nacht an drei Kompressoren Flaschen füllen. Getaucht wird
am Hausriff mit 9,2 Liter
und auf den Booten mit 10,4 Liter Alufluschen. Mag auf den ersten Blick
wenig erscheinen,
wegen dem 30m-Tiefenlimit und dem meist langen Austauchen im sehenswerten
5m-Bereich
dauert jeder Tauchgang aber doch meistens nahezu eine Stunde.
Fazit: Uns hat Kuredu ausgesprochen gut gefallen. Die Insel ist weitläufig
und urwüchsig. Unterkunft und Essen entsprechen einem guten maledivischen
Mittelmass. Die Tauchbasis ist professionell geführt und trotz
manchmal wirklich
vieler Taucher hat man nie das Gefühl abgefertigt zu werden sondern
wird immer individuell
und freundlich bedient.
Ein besonderes Erlebnis war für mich der "Full-Moon-Dive" mit
Basenleiter und
PADI Course Director Tamie sowie die Formel 1-Tauchgänge in den
Channels. Wer viel
Tauchen möchte, abends aber trotzdem noch was erleben will und
nicht unbedingt
ein kleines Vermögen für seinen Urlaub bezahlen möchte,
dem sei Kuredu wirklich
ans Herz gelegt. Auch bei langem Nachdenken sind uns keine wirklichen
Punkte
eingefallen, die negativ zu erwähnen gewesen wären. Kein
Wunder auch, dass Kuredu
vor kurzem zur zweitbesten Taucherinsel der Malediven von der Zeitschrift
"unterwasser" gewählt wurde.
Autor: Christoph Moldaschl,
27. Juli 1999 |